„Im selben Augenblick begann der Baum zu blühen und die Vögel sangen...“

Eindrücke von Simons Taufe am 24. April 2016 in der Allerheiligenkirche der Alt-Katholischen Pfarrgemeinde Rosenheim.

Wir trafen uns am Sonntagnachmittag in unserer Kirche, um zusammen mit Verwandten und Freunden die Taufe unseres zweiten Kindes Simon zu feiern.

Gemeinsam mit André hatten wir Eltern, Miriam und Herbert, und der Taufpate Daniel die Feier vorbereitet. Als Taufgeschichte wählten wir ein Märchen von Oscar Wilde mit dem TitelDer eigensüchtige Riese“, das uns zwei Mitfeiernde in gekürzter Fassung erzählten:

Da war ein wunderschöner Garten. Allerdings gehörte er einem Riesen. Doch zum Glück war der schon lange nicht mehr daheim gewesen. Niemand hatte ihn die letzten sieben Jahre gesehen. So konnten die Kinder im Garten spielen. Jeden Tag nach der Schule waren sie da.

Doch eines Tages stand der Riese plötzlich im Garten.

Was tut ihr hier?“, brüllte er.

Die Kinder flüchteten und trauten sich nicht wieder zurück. Eine Mauer baute der Riese um seinen Garten und ein Schild stellte er auf mit der Aufschrift: „Unbefugtes Betreten dieses Grundstücks ist bei Strafe verboten!“

Er war eben ein sehr eigensüchtiger Riese.

Es wurde Frühling. Im Garten des eigensüchtigen Riesen blieb es Winter. Einmal steckte eine schöne Blume das Blütenköpfchen aus dem Schnee; doch als sie das Schild sah, verschwand sie wieder. Es wurde Sommer. Im Garten des Riesen blieb es Winter. Es wurde Herbst. Im Garten des Riesen tobten weiterhin Hagel, Frost und Schnee. Traurig blieb der Riese nur noch in seinem Bett liegen.

Eines Morgens hörte er durch sein Fenster wunderbare Musik klingen. Es war ein kleiner Vogel, der im Garten sang. Der Riese stieg aus seinem Bett, schaute aus dem Fenster. Es war Frühling geworden. Wie das? Kinder sah er im Garten. Sie waren durch ein Loch in der Mauer hereingekrochen. Sie hatten den Frühling mitgebracht.

Welch ein herrlicher Anblick!“, flüsterte der Riese gerührt. „Jetzt weiß ich, warum der Frühling nie mehr kam.“

Doch da, in einer Ecke des Gartens herrschte noch der bitterkalte Winter. Der Riese sah einen traurigen Jungen, der vergeblich versuchte, auf einen Baum zu steigen. Er war zu klein und weinte.

Der Riese ging hinunter, nahm den kleinen Jungen auf seine Hand und setzte ihn auf den Baum. Im selben Augenblick begann der Baum zu blühen und die Vögel sangen. Der Junge breitete die Arme aus und küsste den Riesen. Es war Frühling geworden.“

 

Mit viel Freude lauschten große und viele kleine Anwesende (zwölf Kinder!), wie sich André und Kater Xaver über das Taufritual unterhielten.

An dieser Stelle:

Herzlichen Dank Euch, Monika und Michael Pabel, für die musikalische Mitgestaltung.

 

Mit auf den Weg gab der Pate Daniel seinem Taufkind Wünsche für sein Leben:

 

Geh Deinen Weg.

Es wird Deiner sein, wohin immer er führt.

Lass Dir Zeit nachzudenken,

zu fragen, zu erinnern, abzuwägen.

 

Überstürze Dich nicht.

Lass Dich nicht aufhalten.

 

Wenn möglich, geh nicht allein.

Wenn nötig, trenne Dich.

 

Auf Deinem Gesicht liegt der Glanz,

in Deinem Herzen schlägt die Liebe,

aus Deinen Händen entstehen Wunder.

 

Deine Füße reichen weit

und sind bereit für Deine Pläne.

Deine Arme sind lang

um mindestens einen Menschen zu umarmen.

 

Es ist schön, dass es Dich gibt.

 

 

Text: Familie Hageneder

Fotos: Inga

 

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