Margit Still und Leo Weiß waren dabei

Zum diesjährigen Laienforumstreffen in Prag machten sich die beiden Mitglieder des Kirchenvorstandes unserer Alt-Katholischen Pfarrgemeinde Rosenheim auf den Weg. Die Bahn und ein Fernreisebus brachten sie in wenigen Stunden in die „Goldene Stadt“, die an diesem Tag aufgrund des regnerischen Wetters etwas von ihrem Glanz eingebüßt hatte.


Foto: Margit Still

Seit 1990 der Internationale Altkatholiken-Kongress das „Laienforum“ zum Austausch zwischen den Mitgliedern in den Bistümern der Utrechter Union beschloss, treffen sich jährlich, meist Mitte August, interessierte und engagierte Laien zwischen den Kongressen abwechselnd in Deutschland, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Tschechien und gelegentlich weiteren Ländern, behandeln aktuelle spirituelle Themen und lernen dabei Land und Leute kennen. Die Kongresssprache ist deutsch, für notwendige Übersetzungen wird gesorgt.


Laienforumstreffen 2016 vom 10. bis 14. August in Prag

Inhalte

 

 

  • Zusammentreffen mit spirituell interessierten Teilnehmern aus fünf Ländern

 

  • Kennenlernen der örtlichen Gemeinde und des neugewählten, tschechischen, altkatholischen Bischofs Dr. Pavel B. Stránsky

 

  • Entdecken der Sehenswürdigkeiten und gastronomischen Köstlichkeiten der Stadt Prag

 

  • Ausflug zur Burg Karlštejn (30 km. südwestlich von Prag)

 

  • Referate und Gesprächsgruppen zum Thema „Heiligkeit als Normalität“
    von PhDr. Ing. Petr Krohe, Krankenhaus-Seelsorger (früher als Ingeneur tätig) mit „Spiritualität der Heiligen“ und

„Spiritualität der Heiligen und der Heiligkeit“ nach Dr. Theol. Petr Jan Vinš

  • Andachten / Meditationen der Ländergruppen zum Thema
    z.B. in der Hl.-Kreuz-Rotunde und in der Hl.-Maria-Magdalena-Kapelle

 

  • Orgelkonzert von Eveline M. Jansen und festlicher Schlussgottesdienst (der erste, von Bischof Pavel gehaltene, in der Starokath. Kathedrale am Petřín)


Das Programm war zweisprachig organisiert. (D, Engl.). Jede Ländergruppe gestaltete außerdem eine Morgen- oder Abendmeditation.
Schließlich feierten wir 20 erfolgreiche Internationale Laienforen als Impuls für frische, weitere Internationale Laienforen.


Die Referate:

Heiligkeit als Normalität

von PhDr. Ing. Petr Krohe
(li.im Bild mit Übersetzern)

Foto: Johannes Reintjes

Gott schuf uns heilig und Heiligkeit ist in unsere Seelen geschrieben. Die ersten Christen nannten sich „Heilige“ und erlebten ihre Heiligkeit jeden Tag ihres Lebens. Diese „Normalität“ der Heiligkeit verblasste leider allmählich im Laufe der Geschichte und bekam später einen Hauch von etwas Außerordentlichem, sogar Unwirklichem oder Illusorischem. Die Heiligenbilder, die wir sehen, oder Legenden, die wir über sie lesen, unterstützen dies. Ein Heiliger oder eine Heilige ist keine heroische Gestalt wie auf diesen Bildern und Statuen, mit in den Himmel gerichteten Augen und einem Pfeil am Hintern. Die Heiligkeit wird hier und jetzt realisiert. Sie ist „normal“, sogar so normal, dass es uns nicht einmal einfällt, dass sie in der Alltäglichkeit unseres Lebens verwirklicht sein sollte.

Folgende Merkmale der Heiligkeit wurden beobachtet:

  1. Heiligkeit soll der Normalzustand sein, ähnlich wie Gesundheit. Unvollkommenheit ist wie Krankheit mit Medizin zu behandeln, mit den Sakramenten und mit Gebet.

  2. Heiligkeit ist dynamisch, eine Entwicklung. Gott bricht in unser Alltagsleben ein und ein Heiliger wehrt sich gegen die Erleuchtung nicht.

  3. Ein(e) Heilige(r) akzeptiert ihre oder seine Fehler und Sünden. Er oder sie bearbeitet seinen oder ihren „Schatten“. Nach Abbau eines falschen Selbstbildes kann er oder sie sich so akzeptieren, wie er oder sie ist.

  4. Ein Heiliger kann der herrschenden Meinung zuwiderlaufen, er kann aber mit Widersprüchlichkeiten (Paradoxien) leben. Ein Heiliger ist auch ein Sünder und ein Sünder mag heilig sein. Er ist Teil einer Gemeinschaft, obwohl er sie übertrifft. (Nicht selten wird er deswegen von der Gemeinschaft abgelehnt.)

  5. Ein Heiliger lebt in Freiheit. Sie oder er bildet sein/ihr Gewissen und trifft seine/ihre Entscheidung, indem er auf das Gewissen hört. Selbst moralische Zwickmühlen-Situationen (Dilemmas) löst er mit Hilfe seines Gewissens.

Diese fünf Hauptgedanken und wie man die Heiligkeit in dieser Welt leben kann, haben wir während des Laienforums 2016 in fünf Gruppen ausgetauscht.



Spiritualität der Heiligen und der Heiligkeit

nach Dr. Theol. Petr Jan Vinš:


Foto: Johannes Reintjes

Er arbeitet nach Studium und Vikariat in der Schweiz im Prager Ordinariat und am Lehrstuhl für Spirituelle Liturgie (beschreibt, wie Christen leb(t)en) der Universität Prag.

Die Christen sind zur Heiligkeit berufen (1. Petrus 1, 13-16), davon ist die ganze Kirchengeschichte überzeugt. Was man aber unter „Heiligkeit“ konkret versteht, hat sich im Lauf der Zeit stark verändert. Es gab Zeiten, in denen der Einsiedler in der Wüste, abgeschnitten von allem Leiblichen, das Ideal darstellte. Ein anderes Mal war es der Prediger und Missionar, der das Licht des Evangeliums unter vielen Menschen verbreitete. Wieder ein anderes Mal galt die persönliche Nachfolge Christi, eine Nachahmung seines irdischen Lebens als Ideal der Heiligkeit …

Die Geschichte der christlichen Spiritualität ist sehr farbenreich und vielfältig. Genauso vielfältig sind auch die Wege zur Heiligkeit. Am Beispiel verschiedener Persönlichkeiten der Geschichte des Christentums (unabhängig von der offiziellen Heiligsprechung) wurden im Vortrag folgende fünf Archetypen und Lebensmodelle (aus einer Vielzahl weiterer) vorgestellt, die auch heute die Gläubigen in der Suche nach Heiligkeit inspirieren können. (Im Folgenden Mitschrift von Johannes Reintjes:)


  1. Wüstenväter am Beispiel von Antonius den Großen (um 251–356 nach Christus in Ägypten): Einsiedler, Asketen (einst der Inbegriff von „spirituell“)

 

  1. Gelehrte wie Thomas von Aquin (ca 1225–1274, Italien) (Anmerkungen: Gegenpositionen „Verliere deinen Glauben im Studium nicht“; Kirchenrecht als Wissenschaftshemmer)

 

  1. Reformatoren am Beispiel von Jan Hus (um 1369–1415, Böhmen), Fehlentwicklungen zerstören, um neu aufzubauen, Antwort auf Krise nach „außen“. (Anmerkung: „was immer und überall geglaubt wurde“ ist die leere Menge, ist nichts.)

 

  1. Mystiker wie Teresa von Ávila (1515-1582, Spanien) oder Johannes vom Kreuz (Juan de la Cruz 1542-1591, Spanien), Meister Eckart (Eckhart von Hochheim um 1260-1328, Thüringen, Deutschland), Antwort auf Krise nach „innen“: Schwer ist es, Erlebnisse mit Gott und Gefühle dabei zu kommunizieren aber jeder kann es erleben.

 

  1. Heilige des täglichen Lebens, die gemäß ihren sorgfältigen Gewissensentscheidungen lebten, wie Johann Friedrich von Schulte (1827 in Westfalen–1914 in Meran, der nach Ablehnung der Ergebnisse des 1. Vatikanischen Konzils Prag verlassen musste)
    oder als moderner Märtyrer Maximilian Kolbe (1894 in Polen–1941, der im KZ anstelle eines Familienvaters in den Tod ging).

 

In den fünf Gruppen wurden anschließend intensiv und persönlich folgende Fragen diskutiert:

 

  • Welches Modell entspricht mir (in welcher Lebensphase)?

  • Katholische Traditionen in der modernen Gesellschaft erhalten?
    (Formen ändern, Werte prüfen; glaubwürdig bleiben)

  • Gleichgewicht zwischen Hierarchie und Synodalität finden:
    Wie erlebe ich meinen Bischof, Pfarrer, Kirchenvorstand?



Zu Prag und zur Umgebung:

Foto: Wikipedia (frei)

Burg Karlštejn in der Nähe von Prag

Referate und Gruppenarbeiten wurden mit Ausflügen ergänzt. Wir fuhren zur Burg Karlštejn in der Nähe von Prag. Dort besuchten wir die schönsten sakralen Räume aus dem 14. Jahrhundert, vor allem die Heiligenkreuz-Kapelle, die mit ihren 129 Gemälden von Heiligen als weltgrößte Galerie der mittelalterlichen Tafelmalereien bekannt ist.

Natürlich ließen wir uns auch Zeit, Prag kennen zu lernen und Freizeit in uralten und vielfältigen Architektur-Kulissen zu genießen:

Denn Prag ist von den Zerstörungen im 2. Weltkrieg weitgehend verschont geblieben.

Die Prager Burg mit dem Veitsdom, die Karlsbrücke und der Altstädter Ring mit Teynkirche, Rathaus und Astronomischer Uhr sind die bekanntesten Sehenswürdigkeiten. Die Altstadt wird besonders durch ihre alten Häuser, die oft bis in die Romanik und Gotik zurückreichen, ihre zahlreichen Kirchen und engen Gassen geprägt.

Auf der Kleinseite mit der Prager Burg dominieren dagegen Palais aus der Renaissance und dem Barock. In der Neustadt befinden sich viele gotische und barocke Kirchen und Klöster sowie der größte und belebteste Platz in Prag, der Wenzelsplatz, ein mit von mondänen Einkaufspassagen gesäumter Platz. Berühmt ist Prag ebenso für seine zahlreichen Jugendstilbauten.

Kulinarisch verwöhnen ließen wir uns in gut ausgewählten Lokalen mit deftig-kräftigen, leichten, süßen, gehaltvollen, suppigen, salatigen Speisen und natürlich bierigen und anderen mehr oder weniger hochprozentigen Getränken.


Der Abschied voneinander beinhaltete den Wunsch und die Hoffnung auf ein Wiedersehen nächstes Jahr in Österreich:

Laienforum Wels 2017

Der Themenkreis

“Der besondere Auftrag der Alt-Katholischen Kirche” wurde im Plenum priorisiert.

Tagungsort Bildungshaus
Schloss Puchberg:
Puchberg 1, A-4600 Wels, +43 7242 47537,

Sehen Sie sich die Website dieses Bildungshauses schon einmal an


Texte und Fotos dieses Berichtes:

Johannes Reintjes, Christoph Janser, Margit Still



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