Missa Brasiliera

Großer Event in der Allerheiligenkirchen

Ein musikalischer Leckerbissen wartete auf die zahlreichen Besucher, die sich am Sonntagabend den 08.10.2017 in der alt-katholischen 
Allerheiligenkirche Rosenheim an der Kaiserstraße einfanden. Häufig wird der große Rundbau für akustische Darbietungen genutzt. Diesmal war die Chorgemeinschaft Bruckmühl samt Instrumentalisten und einer Sopransolistin angereist. Auf dem Programm stand eine lateinische Choralmesse, allerdings anders und ungewohnt: nämlich mit Band und total beschwingten und rassigen Rhytmen. Komponist dieser noch sehr selten in Deutschland aufgeführten Messe ist der in Brasilien geboren Musiker Jean Kleeb. Betitelt hat er die Messe als "Missa Brasilera".





Mehr als 150 Zuhörer hatten sich im Rund der Kirche eingefunden. Sie erlebten zu Anfang sozusagen zum Warmwerden das Samba-Stück "Encontros do Brasil", ebenfalls von Jean Kleeb, gesungen von der Solistin des Abends, der Konzertsängerin Dagmar Gareis. Begleitet wurde sie hier und auch in der Folge am Clavinova von Konrad Liebscher, dem hauptamtlichen Kirchenmusiker in Bad Aiblings Stadtkirche, von Thomas Laar am Kontrabass, Dietgard Luber am Violoncello, sowie dem Schlagzeuger Martin Heisl und der Cajon-Spielerin Benedikta Klein. Nach einem portogiesischen Liebeslied "Eu sei que vou te amar" trat im Namen der Chorgemeinschaft Erni Speigel ans Mikrofon und begrüßte die Anwesenden. Sie gab interessante Hinweise auf den Komponisten und den Gesamtzusammenhang der nun folgenden "Missa". Völlig ungewohnt für eine lateinische Choralmesse konnten sich die Zuhörer nun einstellen auf Bossanova-Rhythmen, Samba-Klänge und die verschiedensten mitreißenden Taktfolgen, die freilich dem Chor allergrößte Konzentration und Leistung abverlangten. Während das Kyrie noch recht verhalten daher kam, brandete das Gloria geradezu auf in Wucht und Temperament. Viele der Anwesenden wippten mit der Fußspitze im Rhythmus mit, auch wenn dann ganz überraschend immer wieder fast Tango-mäßige melancholisch sanfte Stücke erklangen. Gerade in diesen Bereichen, zum Beispiel im meditativen "Quoniam" und auch dem "Sanctus", konnte die Sopranistin ihr ganzes Können zeigen: Mit bewundernswerter Leichtigkeit erreichte sie fast astronomische Höhen und konnte dabei die notwendige Zartheit der Melodieführung jederzeit bewahren. Zentrale Interpreten der Choralmesse aber waren nun zweifellos die Chormitglieder, Sänger und Sängerinnen aus Bruckmühl und Umgebung. Sie wurden  - wie auch die Instrumentalisten - dirigiert und geführt von Susanne Reitlinger, der Chorleiterin aus München, die sich selber als Sängerin und Dirigentin schon einen Namen gemacht hat. Von Beruf Mathematikerin, leitet sie seit vier Jahren die Chorgemeinschaft und hat einen hochwertigen Klangkörper aus den Sängern und Sängerinnen gemacht. Vor allem die mitreißende Dynamik, das gefühlvolle Ausdrücken von lautem Jubel und gleich danach behutsamstem Piano gelang hervorragend. Zwischendurch wurden von Chormitgliedern auch wieder erklärende Texte und Impulse verlesen. Den Schluss bildete dann das nachdenkliche "Agnus Dei" mit einem geradezu betörenden Aufruf zum Frieden und zur Friedensgesinnung: " Dona nobis pacem".
Der Applaus der dann aufkam war laut und lang. Bis zum letzten Platz waren die Zuhörer in der vollen Kirche begeistert. Und natürlich ließen sie die Chorgemeinschaft und die Instrumentalisten nicht ziehen ohne mehrere Zugaben. Am Ende waren sich alle einig, dass dieses Konzert ein großer Gewinn gewesen war für jeden, der es miterlebt hatte: eine Choralmesse mit Feuer und Begeisterung, der es gelungen war, eine Brücke zu schlagen zwischen europäischer Kirchenmusik und indianischem und afro-brasilianischem Pulsschlag.

Text: Harald Klein