Ohne Diakonie verliert Kirche ihre Existenzberechtigung

Interview mit Pfarrer Dr. André Golob über die Diakonie der Alt-Katholischen Pfarrgemeinde Rosenheim


Frage: Welche Bedeutung hat La Crèche für unsere Pfarrgemeinde?

Dr. André Golob La Crèche ist eines unserer Diakonieprojekte im Ausland und es ist eine einzigartige Initiative. In der Trägerschaft französischer Vinzenzschwestern nimmt diese Einrichtung Kinder auf, die bereits im Säuglingsalter von ihren Müttern oder Eltern abgegeben werden - darunter viele muslimische Mütter, die durch Missbrauch, Vergewaltigung oder auf andere Weise ungewollt schwanger geworden sind. Auch bietet sich ihnen die Möglichkeit bereits dort ihre Kinder zu gebären und in der Obhut des Kinderheimes zu belassen. Wenn man sich ein wenig in der Kultur und Religion des Orients auskennt, dann weiß man, wie unglaublich schwer es solche Mütter und ihre Kinder haben. Gerade deshalb ist La Crèche so wichtig. Und wir zeigen durch unsere Hilfe, was es heißt sich Christi Mitgefühl für die Notleidenden zum Vorbild zu nehmen, über alle religiösen, kulturellen und nationalen Grenzen hinaus. Wenn wir muslimischen Mitmenschen helfen, pflanzen wir zugleich Samen der Toleranz und des Frieden zwischen unseren beiden Religionen.


Frage: Was sagst Du zu den 5.000 für unsere La Crèche?

Dr. André Golob Ich freue mich, dass eine so hohe Summe für unser Projekt in Palästina zusammengekommen ist. Den Jubel dort in Bethlehem kann man sich kaum ausmalen und als Pfarrer einer relativ kleinen Kirche bin ich überaus glücklich, dass wir so die Gelegenheit bekommen, notleidenden Kindern in einem beachtlichen Maße Unterstützung und Hilfe zu erweisen. Mit einer so hohen Summe, kann man in Palästina sehr viel Gutes tun. Und wir sind stolz, dass von den Spenden, die uns erreichen, nichts an Verwaltungsaufwand abgezogen wird. Die diakonische Hilfe in unserer Kirche erfolgt auf rein ehrenamtlicher Basis und so bin ich froh, dass unser Diakon Georg Spindler und seine Frau auf ihrer Reise ins Heilige Land den Betrag persönlich übergeben. Ohne die Großzügigkeit großherziger Menschen wäre es um unsere Welt schlecht bestellt. Vergelt's Gott den Spendern.


Frage: Sind weitere Diakonie-Aktionen in Sicht

Dr. André Golob Ohne Diakonie verliert Kirche ihre Existenzberechtigung. Diakonie ist eine der drei Grundfunktionen von Kirche. Neben dem Projekt La Crèche in Bethlehem, unterstützt unsere Gemeinde mit großem Erfolg ein Waisenheim in Sântana in Rumänien. Auch dort ist flexible, unbürokratische Hilfe gefragt. Als kleine Kirche verfügen wir nicht über die Mittel der Hilfswerke unserer großen Schwesterkirchen. Dennoch leisten wir in unserem bescheidenen Rahmen das, was wir können. Unterstützt werden wir dabei auch von der Alt-Katholischen Diakonie. So konnten wir z.B. für das Kinderdorf in Sântana einen vollautomatischen Entsafter kaufen, mit dem nun die Obsternte zu Biosaft verarbeitet werden kann. Vor einigen Jahren konnte mit unserer Unterstützung ein Obstgarten angelegt werden. Gerade solche Projekte, die Hilfe zur Selbsthilfe bieten, sind zukunftsweisend. Diakonisches Handeln gehört zu unserem Alltagsgeschäft, das gilt auch innerhalb unserer Gemeinde. So werden z.B. alte Menschen und Kranke besucht. Hier sind wir für das Engagement von Einzelnen unendlich dankbar. Letztendlich steht jeder von uns in der Pflicht sich gemäß seiner Charismen karitativ zu engagieren, sei es bei der Sammlung von Spenden, dem Fundraising, in der Planung von Entwicklungsprojekten oder durch Besuche von Kranken und Senioren. Es müssen nicht immer üppige Spenden sein, manchmal reicht ein kleines Lächeln oder ein aufmunterndes Wort.


Rosenheim
05.20.2017