Jesus und die Frauen

JESUS UND DIE FRAUEN

Auszug aus dem noch unveröffentlichten Manuskript „Die Frau in den Weltreligionen“
Für Jesus ergibt sich die Gleichstellung von Mann und Frau aus dem Ethos der Wahrhaftigkeit, aus dem Ethos der Sachhaftigkeit, das bei ihm den ersten Platz einnimmt. Er betrachtet die Frau allein von ihrer Personhaftigkeit her. Dabei gibt es bei ihm in der Begegnungmit den Frauen auch nicht einen Anflug von Erotik. Wenn man ihm das heute andichtet, so hat das keinerlei Fundament in den Evangelien, so ist das rein fiktiv.
Vor dem Hintergrund des Alten Testamentes und erst recht des rabbinischen Judentums hebt sich die Wertung der Frau durch Jesus von Nazareth und die Stellung der Frau im NeuenTestament deutlich ab. Jesus übernimmt keines der gängigen Vorurteile seiner Zeit gegenüber den Frauen. Angesichts seiner höchsten Sachlichkeit, in der sich sein einzigartiges Wahrheitsethos manfestiert, ist er ohnehin unabhängig gegenüber Vorurteilen jeder Art.
Zudem hat er schon wegen seiner grundsätzlichen und programmatischen Hinwendung zu den Armen und Unterdrückten, zu denen, denen ihr Recht vorenthalten wird, ein äusserst positives Verhältnis zur Frau. Aber nicht nur den Armen und Unterdrückten hat Jesus sich zugewandt.

Seine Zuwendung gilt allen Menschen ohne Unterschied der Person, der Rasse, des Standes oder auch des Geschlechtes. Seine Botschaft von der Gottesherrschaft, die nahe herbeigekommen ist, gilt allen, ohne Ausnahme. Es kommt hinzu, dass er eine völlig andere Sicht von menschlicher Größe und menschlicher Kleinheit hat, dass er das Kleine als groß ansieht und das Große als klein, dass es bei ihm so etwas gibt wie eine grundlegende Umwertung der Werte (vgl. Lk 10, 17 ff). So ist es nicht verwunderlich, wenn seine Stellung zur Frau sich deutlich abhebt von der des zeitgenössischen Judentums und wenn er dabei souverän die guten Ansätze des Alten Testamentes auf-nimmt und weiterführt.

Jesus verhält sich zu den Frauen nicht anders als zu den Männern. Das wird immer wieder deutlich in den Evangelien (Mt 13, 33; 25, 1-12; Lk 15, 8 f; 18, 3 ff). Eingehend unterhält er sich mit ihnen, auch öffentlich, und setzt sich dabei hinweg über die Sitten seiner Zeit (Joh 4,7-27; Lk 10, 39). Ja, er beruft auch Frauen in seine Jüngerschaft, und er lässt sich von ihnen materiell unterstützen.