Gottesdienst am Sonntag den 24.05.2020

„Die Inflation des Dreilagigen“
Das zwölfte Wort zur akt
uellen Situation

Liebe Schwestern, liebe Brüder, liebe Freundinnen und Freunde, liebe Mitmenschen,
ich sende Ihnen herzliche Grüße aus dem alt-katholischen Pfarrbüro in Rosenheim. 

Als Christinnen und Christen bleibt uns nicht anderes übrig als auf die Verbreitung des Coronavirus mit Nächstenliebe zu reagieren. Totalitäre Systeme wie z.B. China - das Land der untergehenden Menschenrechte - setzen darauf, mit Druck und autoritären Methoden dem Egoismus der Einzelnen Einhalt zu gebieten. Das Christentum setzt da auf Einsicht und Mitgefühl. „Ich schütze mich, um Dich zu schützen“, „ich halte die vorgeschriebenen Regeln ein, da ich nicht will, dass durch eine Ansteckung meinerseits andere in Gefahr laufen, krank zu werden“, „ich bin gesund, darum lasse ich dir den Vortritt beim Kauf eines Nase-Mundschutzes“. Selbstschutz muss nicht Egoismus bedeuten, es kann auch den Schutz des Nächsten umfassen und ihm damit Respekt zollen. Das bedeutet dann auch: „Ich unterlasse es Toilettenpapier und Hefe zu hamstern, da auch andere Bedürfnisse haben“. Ohnehin ist manches Vorhaben, durch Spekulation mit Klopapier zukünftigen Wohlstand zu gründen, durch neue Nachschubkontingente vereitelt worden. Ein wenig Schadenfreude sei auch einem Christenmenschen erlaubt, bei dem Gedanken an die alpinen Massen aus dreilagigem Flauschpapier, die keine Klimakatastrophe aus den heimischen vier Wänden einfach so hinweg schmelzt. Der liebe Gott straft kleine Sünden sofort, z.B. durch Inflation, sagt der Volksmund.

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Gottesdienst am Donnerstag den 21.05.2020

Locker, lockerer, am lockersten“
Das elfte Wort zur aktuellen Situation

Liebe Schwestern, liebe Brüder, liebe Freundinnen und Freunde, liebe Mitmenschen, ich sende Ihnen herzliche Grüße aus dem alt-katholischen Pfarrbüro in Rosenheim.

Ist es nicht ein wenig widersprüchlich, dass Leute mit aller Vehemenz für ihr verbrieftes Recht auf Freiheit auf die Straße gehen, jetzt, wo massive Lockerungen auf den Weg gebracht werden? Und man fragt sich, ob sich nicht an anderer Stelle allmählich etwas lockert.  

Die Coronakrise wird mehr und mehr instrumentalisiert, um sie zu nutzen für die eigenen Bestrebungen, für die dunklen Triebe jener, die den Menschen manipulieren und seiner Freiheit berauben wollen, um eine Form von Menschenverachtung zum Weltprinzip zu machen, die weitaus gefährlicher ist als alle Viren der Welt zusammen. Eine Allianz des Hasses und der Unvernunft scheint sich zu formieren, die alles was gut ist, in Finsternis tauchen möchte. Vielleicht ist das etwas krass formuliert, aber die Parolen und Programme erinnern mich an die Propaganda vergangener Tage, auch wenn der Glaube an Nanopartikeln in Impfstoffen oder eine Verschwörung außerirdischer Zionisten doch eher lächerlich und infantil, mitunter irre anmutet.  

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Gottesdienst am Sonntag den 17.05.2020

Emotionale Kontrollverluste 
Das zehnte Wort zur aktuellen Situation

Liebe Schwestern, liebe Brüder, liebe Freundinnen und Freunde, liebe Mitmenschen, ich sende Ihnen herzliche Grüße aus dem alt-katholischen Pfarrbüro in Rosenheim. 

Auch wenn zurzeit die Infektionszahlen bundesweit abnehmen, so ist die Lage in Rosenheim immer noch bedenklich und von unserem Pfarrgarten aus hören wir die Sirenen der Krankenwagen und Helikopter in einem steten Hin und Her. Ich möchte Sie bitten, die Opfer der Seuche – ob es Kranke, Sterbende oder Freunde und Familien in Sorge sind - in Ihre Gebete einzuschließen. 

Erschreckend ist der neue Trend, die Bedrohung durch Covid-19 zu verklären und die bestehende Gefahr zu verharmlosen – wohl eine Reaktion auf die ständige, nervliche Anspannung der letzten Wochen. Und es überrascht, dass sich auch in unserem Bistum, das vornehmlich von einem aufgeklärten Bildungsbürgertum geprägt ist, Tendenzen abzeichnen, die auf einen emotionalen Kontrollverlust schließen lassen. Verschwörungstheorien, Impfgegnertum und ähnliche Affekte nehmen zu, werden mehr und mehr gesellschaftsfähig. Unglaublich, wie sehr die physische Bedrohung unserer Gesundheit sich nun auch psychisch auswirkt und vermeintlich gefestigte Charaktere ins Schwanken bringt.

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Gottesdienst am Sonntag den 10.05.2020

Vorsichtiger Neustart in Sicht

Ein neuntes Wort zur aktuellen Situation

 
Liebe Schwestern, liebe Brüder, liebe Freundinnen und Freunde, liebe Mitmenschen, 

ich sende Ihnen herzliche Grüße aus dem alt-katholischen Pfarrbüro in Rosenheim. In den letzten Tagen hat sich einiges getan. Der sogenannte Lockdown wird allmählich heruntergefahren. Die Regierungen der Bundesländer wetteifern mit immer gewagteren Strategien der Öffnung. Die Gefahr für Leib und Leben soll sich minimiert haben, es sterben weniger Menschen als noch die Woche zuvor. Die Betonung liegt auf „weniger“!  

Ist es tatsächlich denkbar, dass die Politik Kollateralschäden ins Kalkül nimmt? Ein Risiko bedeute Corona doch nur für jene Menschen, die aufgrund Ihres hohen Alters ohnehin dem baldigen Tod geweiht sind – wie ein Politiker letztens ernsthaft behauptete. Es stellt sich die Frage: Können wir aufatmen, da die Gefahr sich mit dem Virus zu infizieren unwahrscheinlicher geworden ist? Oder gehen die Öffnungen von Geschäften und Gastronomie auf das Konto hartnäckiger Lobbyisten? Und ist dabei berücksichtigt worden, dass die momentane verbesserte Situation immer nur den Stand von vor zwei Wochen widerspiegelt?

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