Gottesdienst am Karfreitag den 10.04.20 um 15.00 Uhr

„peace maker“
Wohl nicht das letzte Wort zur aktuellen Krise

Liebe Schwestern, liebe Brüder, liebe Freundinnen und Freunde, liebe Mitmenschen, 

Krankheit und Tod sind die großen Gleichmacher, jeder kann am Coronavirus erkranken, sogar junge Menschen sind nicht gegen eine Infektion gewappnet. Und auch Reichtum und Macht sind kein Schutz vor der Pandemie. Es geht um unser aller Leben. Diese Einsicht kann zu einem solidarischen Miteinander, ja sogar einem respektvolleren Umgang mit einander führen – mit der hygienischen Sensibilität geht scheinbar auch eine emotionale einher. Jeder Brief, der mich erreicht, fast jede Mail endet mit einem „Bleiben Sie gesund“. Ich habe das Gefühl, die Sorge, die damit zum Ausdruck kommt, ist echt. Notsituationen schweißen zusammen, die Bedrohung des Daseins lehrt Respekt. Auch wenn das Ringen um die wenigen Toilettenpapierkontingente von Egoismus - oder doch eher Gedankenlosigkeit - geprägt ist, so ist ein Wandel zum Positiven unverkennbar. Eine ganz neue Form von Nähe entsteht, wie sie z.B. in der Hilfsbereitschaft jüngerer Leute zum Ausdruck kommt, die für Ältere den Einkauf übernehmen, bei Alltagsgeschäften helfen, sich bei den Tafeln engagieren. In Krisenzeiten, so sagte einmal Helmut Schmidt, zeigt sich der Charakter. 

Und ist es nicht unglaublich, dass der Aufruf von UN-Generalsekretär Antonio Guterres an die Krieg führenden Nationen, während der Zeit der Coronakrise die Waffen ruhen zu lassen, ein positives Echo fand - das Virus als peace maker? 

Heute ist Karfreitag, ein Tag an dem wir der hässlichen Fratze der Unmenschlichkeit ins Antlitz blicken. Aber auch auf dem Leidensweg gibt es Momente der Zuneigung und Liebe, positive Begegnungen, in denen inmitten des Leids bereits die Freude des Osterfestes aufblitzt. Ein kühlendes Tuch wird gereicht, ein Schluck Wasser erleichtert den Weg, Tränen zeugen von Mitleid und Solidarität. Wir wissen: Das Leid wird nicht das letzte Wort behalten. Das betrifft die biblische Geschichte, aber auch uns im Hier und Jetzt. Seien sie zuversichtlich und bleiben Sie gesund. 

Gott segne Sie 

Ihr

Pfarrer Dr. André Golob



Hier gehts zum Gottesdienst für Karfreitag den 10.04.2020 zum mitlesen, den Pfarrer Dr. André Golob vorbereitet hat