Gottesdienst am Sonntag den 26.04.2020

Der Tod und der Konsum

Ein weiterer Kommentar zur aktuellen Lage

Liebe Schwestern, liebe Brüder, liebe Freundinnen und Freunde, liebe Mitmenschen, 

auch unsere kleine Gemeinde hat nun ihren ersten Coronatoten zu vermelden. Es ist eines unserer älteren Mitglieder, das in einem Seniorenheim lebte und – wie zurzeit viele Sterbende – in der Stunde seines Ablebens ohne Beistand seiner Familie bleiben musste. So etwas gehört zu den tragischsten und dunkelsten Situationen in der Krise überhaupt und es ist zu fragen, ob diese rigorose Erbarmungslosigkeit - bei aller gebotenen Vorsicht - wirklich nötig sein muss. Indessen strömen die Menschen wieder zuhauf in die Einkaufszentren, um ihr Verlangen nach Konsum zu stillen – welch Kontrast!  

Es gilt nun voreilige und überfrühte Schritte zu vermeiden. Bei aller Euphorie über die Lockerung des Shutdowns darf nicht übersehen werden, dass Stadt und Landkreis Rosenheim weiterhin zu den zehn Hotspots unseres Landes gehören und deshalb die bayerische Maskenpflicht bei uns sogar vorgezogen werden musste.  

Wann wieder Gottesdienste stattfinden können, liegt in den Sternen. Unser Bischof und die Synodalvertretung unserer Kirche werden sich an diesem Wochenende mit dieser Frage beschäftigen und es soll nach einer bundeseinheitlichen Antwort gesucht werden. 

Bei der letzten Telefonkonferenz des Vorstandes der ACK Rosenheim war man sich einig, ein Neustart der Gottesdienste solle nicht zu früh erfolgen. Es wäre für viele ein weiteres falsches Zeichen, dass die Krise überwunden und die Bedrohung durch das Virus bereits rückläufig ist. Die Gefahr für Leib und Leben ist immer noch präsent. Es ist nachvollziehbar, dass aus wirtschaftlichen Erwägungen Geschäfte wieder öffnen. Aber niemand verliert seinen Arbeitsplatz, niemand muss Konkurs anmelden, keine ökonomische Regression droht, wenn unsere Gottesdienste noch eine Zeit lang ruhen. Es ist uns als Kirchen möglich, jede Gefahr von Ansteckung zu unterbinden und damit alle Risiken für einen Rückschlag zu minimieren – zum Wohle von uns allen. Es ist auch eine Anfrage an die christliche Ethik. Manchmal muss man aus Nächstenliebe auch auf Gottesdienste verzichten.  

Auch wenn eine liturgische Normalität noch nicht möglich ist, so bieten sich uns jedoch Alternativen, wie der Ihnen vorliegende Netzwerkgottesdienst. Wir sind dabei wohl räumlich getrennt, doch bei einem Neustart der Gottesdienste wäre die gewohnte Nähe und Normalität auch sehr eingeschränkt. Legen wir also noch ein wenig Gelassenheit an den Tag und genießen wir die Vorfreude auf ein hoffentlich baldiges, ungetrübtes Wiedersehen.

Immerhin ist ein Licht am Horizont zu erkennen. Erste klinische Studien zu einem Impfstoff sind eingeleitet und es ist absehbar, dass die Bedrohung ein Ende nimmt – auch wenn es noch etwas Zeit braucht.  

Bis dahin freue ich mich mit Ihnen auf diesem Wege Gottesdienst zu feiern und dabei gedanklich mit Ihnen verbunden zu sein.  

Ich wünsche Ihnen Gottes Segen … und bleiben Sie weiterhin gesund!

Ihr Pfarrer Dr. André Golob


Hier geht's zum Gottesdienst zum Mitlesen für Sonntag den 26.04.20 um 10 Uhr den Pfarrer Dr. André Golob vorbereitet hat