Gottesdienst am Sonntag den 10.05.2020

Vorsichtiger Neustart in Sicht

Ein neuntes Wort zur aktuellen Situation

 
Liebe Schwestern, liebe Brüder, liebe Freundinnen und Freunde, liebe Mitmenschen, 

ich sende Ihnen herzliche Grüße aus dem alt-katholischen Pfarrbüro in Rosenheim. In den letzten Tagen hat sich einiges getan. Der sogenannte Lockdown wird allmählich heruntergefahren. Die Regierungen der Bundesländer wetteifern mit immer gewagteren Strategien der Öffnung. Die Gefahr für Leib und Leben soll sich minimiert haben, es sterben weniger Menschen als noch die Woche zuvor. Die Betonung liegt auf „weniger“!  

Ist es tatsächlich denkbar, dass die Politik Kollateralschäden ins Kalkül nimmt? Ein Risiko bedeute Corona doch nur für jene Menschen, die aufgrund Ihres hohen Alters ohnehin dem baldigen Tod geweiht sind – wie ein Politiker letztens ernsthaft behauptete. Es stellt sich die Frage: Können wir aufatmen, da die Gefahr sich mit dem Virus zu infizieren unwahrscheinlicher geworden ist? Oder gehen die Öffnungen von Geschäften und Gastronomie auf das Konto hartnäckiger Lobbyisten? Und ist dabei berücksichtigt worden, dass die momentane verbesserte Situation immer nur den Stand von vor zwei Wochen widerspiegelt?

Wir können nur hoffen, dass die getroffenen Entscheidungen wohl überlegt sind, denn sie ziehen weite Kreise, haben Vorbildcharakter. Bereits jetzt bieten auch die Kirchen wieder Gottesdienste an. Hat das damit zu tun, dass man das Heilige nur im geweihten Ambiente einer Kirche vermutet und es daheim im Alltag keinen Platz mehr findet? Doch die vielen positiven Reaktionen zu den neuen Angeboten der Gemeinden zeigen: Gerade in Zeiten von Corona entdecken Menschen neue Formen von Spiritualität und Gottverbundenheit - jenseits von Kirchengebäuden.

Letztens meinte ein Theologieprofessor: „Religion ist ein Stück weit auch Gewohnheit“. Wir dürfen gespannt sein, auf welche Art und Weise sich Gewohntes verändert, ob das Virus womöglich auch in unserer religiösen Praxis seine Spuren hinterlässt?

Ich glaube wir haben mit unseren Netzwerkgottesdiensten und den fürsorglichen Kontakten, die untereinander gepflegt werden, vieles bewirkt und sind gereift an Erfahrungen. Beides ist Gottesdienst: das Sprechen der Gebete, aber auch der Anruf beim Nachbarn, eine nette Karte dann und wann, ein Lächeln im Supermarkt. 

Anfang Mai ist auch unsere Kirchenleitung das Wagnis eingegangen, einen Neustart der Gottesdienste einzuleiten. Die Kirchenvorstände sollen entscheiden, wann die Gottesdienste beginnen. Freilich sind viele Vorkehrungen zu treffen und Sicherheitsmaßnahmen zu bedenken. In unserem nächsten Pfarrbrief werden auf vier Seiten die Dinge aufgelistet, die es dabei zu beachten gilt. Wir dürfen gespannt sein, wie es sein wird, maskiert Gottesdienst zu feiern, mit Mindestabstand und ohne Kirchengesang. Bis dahin ist aber noch ein wenig Zeit. Voraussichtlich starten wir am 14. Juni unseren ersten, öffentlichen Gottesdienste nach der Hochphase der Pandemie. Bis dahin können wir alle notwendigen Vorkehrungen und Schutzmaßnahmen treffen. Und vielleicht hat sich bis dahin auch die Infektionsgefahr verbessert. Ein Gemeindecafé wird aber leider in absehbarer Zeit nicht stattfinden können.  

Sie brauchen natürlich auch bei einem Neustart auf die gewohnten Netzwerkgottesdienste nicht verzichten. Sie stehen darüber hinaus weiterhin zur Verfügung. Wenn Sie also beschließen daheim zu bleiben, erreichen sie die üblichen Handreichungen wie gewohnt per Post oder via Internet. 

Bleiben Sie gesund und weiterhin guter Dinge. Gott segne Sie! 

Ihr Pfarrer Dr. André Golob



Hier geht zum Gottesdienst zum Mitlesen am 10.05.2020 um 10 Uhr, den Pfarrer Dr. André Golob für Sie vorbereitet hat