Gottesdienst am Donnerstag den 21.05.2020

Locker, lockerer, am lockersten“
Das elfte Wort zur aktuellen Situation

Liebe Schwestern, liebe Brüder, liebe Freundinnen und Freunde, liebe Mitmenschen, ich sende Ihnen herzliche Grüße aus dem alt-katholischen Pfarrbüro in Rosenheim.

Ist es nicht ein wenig widersprüchlich, dass Leute mit aller Vehemenz für ihr verbrieftes Recht auf Freiheit auf die Straße gehen, jetzt, wo massive Lockerungen auf den Weg gebracht werden? Und man fragt sich, ob sich nicht an anderer Stelle allmählich etwas lockert.  

Die Coronakrise wird mehr und mehr instrumentalisiert, um sie zu nutzen für die eigenen Bestrebungen, für die dunklen Triebe jener, die den Menschen manipulieren und seiner Freiheit berauben wollen, um eine Form von Menschenverachtung zum Weltprinzip zu machen, die weitaus gefährlicher ist als alle Viren der Welt zusammen. Eine Allianz des Hasses und der Unvernunft scheint sich zu formieren, die alles was gut ist, in Finsternis tauchen möchte. Vielleicht ist das etwas krass formuliert, aber die Parolen und Programme erinnern mich an die Propaganda vergangener Tage, auch wenn der Glaube an Nanopartikeln in Impfstoffen oder eine Verschwörung außerirdischer Zionisten doch eher lächerlich und infantil, mitunter irre anmutet.  

Ich bin eigentlich eher ein analoger Typ und in Computerdingen nicht so firm. Doch immer öfter schaue ich ins Internet und bin erschrocken über den Hass und die Unanständigkeiten, die in diesem Medium um sich greifen. Aber niemand gebietet dem Einhalt, und niemand scheint das zu wollen, denn Hass schafft Reichweite und Reichweite bringt Gewinn.  

Es ist die alte Leier, die wir schon aus dem Neuen Testament kennen. Und wir wissen, wie sehr sich Menschen wehren gegen ihre eigene Befreiung. Jesus war jemand, der Menschen aus ihrer Umnachtung erlösen, ihr Herz befreien wollte. Jesus war niemand, der verurteilt hat, der Menschen bekämpfen wollte. Er hat vielmehr nach Ursachen gesucht, nach den Ursprüngen menschlicher Abgründe. Dort wo ein Vakuum an Liebe herrscht, dort wo Menschen Anerkennung und Geborgenheit fehlt, wo sie tiefe Narben in sich tragen, allein dort stecken die Gründe für Hass und Menschenverachtung. Der andressierte Hass auf sich selbst wird zu einem Hass auf die Welt. Unsere Welt leidet an der Lieblosigkeit und Gleichgültigkeit den Menschen gegenüber. Kirche hat in ihrer Vergangenheit den Menschen selbst tiefe Verletzungen zugefügt. Es wird Zeit, dass sie dies erkennt und in die Fußstapfen des Mannes aus Nazareth tritt. Unsere Botschaft ist die Liebe, alles andere ist vom Übel. Bilden wir mit Christus am Tag der Himmelfahrt eine Fahrtgemeinschaft!  

Der Himmel steht uns allen offen. Gott segne Sie!

Ihr Pfarrer Dr. André Golob



Hier gehts zum Gottesdienst zum Mitlesen an Christi Himmelfahrt, am 21.05.2020 um 10.00 Uhr, den Pfarrer Dr. André Golob vorbereitet hat