Gottesdienst am Sonntag den 31.05.2020

„Spirit first“
Der dreizehnte Kommentar zur aktuellen Situation

Liebe Schwestern, liebe Brüder, liebe Freundinnen und Freunde, liebe Mitmenschen, ich sende Ihnen herzliche Grüße aus dem alt-katholischen Pfarrbüro in Rosenheim.

Nach Ostern steht nun der zweite große Feiertag in Zeiten der Pandemie vor der Tür: Pfingsten. Von uns wird dieses christliche Fest wieder einmal in gewohnt „virtueller“ Weise, als Netzwerkgottesdienst gefeiert. Eigentlich ist es das Fest im Kirchenjahr, bei dem die Kirche im Mittelpunkt steht, denn es geht beim Pfingstfest auch um eine Art Gründungsfest mit einer Botschaft für die ganze Welt. Das Sprachenwunder zeigt, Gott spricht alle Menschen an und er möchte, dass wir als Geschwister miteinander reden, gemeinsame Entscheidungen treffen, gemeinsam füreinander Fürsorge tragen, unser borniertes Denken in Schubläden und Landesgrenzen beilegen. Er hat uns alle geschaffen und die Schöpfung hat er der Menschheit anvertraut, die ihr mit Sorgfalt und Respekt begegnen soll. Auf Kosten der Schöpfung zu leben, eigenmächtige Entscheidungen zu treffen aus nationalem Eigennutz und Egoismus, aus Gier und Profitdenken gefährdet nicht nur die Existenz unseres Planeten, sie richtet sich auch gegen jede menschliche Solidarität und Vernunft. Das sehen nicht nur Christinnen und Christen so, das betrachten alle Religionen in gleicher Weise, und nicht nur sie. 

Umso erschreckender ist es, dass zurzeit einige Regimes und Machthaber die Coronakrise nutzen, um von den eigenen Machenschaften abzulenken. Das Virus kommt ihnen scheinbar ganz gelegen. In Brasilien nutzt man das Gebot der Stunde, um die grüne Lunge unseres Planeten, den Amazonasdschungel, in noch höherem Akkord abzuholzen - in der Hoffnung, dass alle nur mit dem einen Thema beschäftigt sind. Die Haltung „Brazil first“ oder „America first“ übersieht die Tatsache, dass Gott allen Menschen die Welt geschenkt hat. Niemand hat das Recht die Umwelt seines Landes zu zerstören, denn uns alle treffen die Folgen egoistischen Handelns.

Das Pfingstfest zeigt nicht nur, dass für Religion und Kirche – und vor allem für den Heiligen Geist - Landesgrenzen keine sonderliche Bedeutung haben, es zeigt auch, dass wir als Menschen bei aller Diversität schon deshalb eine geschwisterliche Gemeinschaft sein müssen, da wir alle einem Ursprung entstammen. Diesem Ursprung sind wir alle verpflichtet.

Liebe Grüße und Gottes Segen! 

Ihr Pfarrer Dr. André Golob



Hier gehts zum Gottesdienst zum Mitlesen am Pfingstsonntag den 31.05.2020 um 10 Uhr, den Pfarrer Dr. André Golob vorbereitet hat.