Gottesdienst am Sonntag den 28.06.2020

„Summen gegen die Apokalypse“
Vorwort zum siebzehnten Gottesdienst       
      

Liebe Schwestern, liebe Brüder, liebe Freundinnen und Freunde, liebe Mitmenschen,

wussten Sie, dass man mehrstimmig summen kann und wie toll sich das anhört? Ich nicht! Umso positiver wurde ich vergangenen Sonntag überrascht von den wohligen und überaus harmonischen Tönen geschlossener Münder, die dem geöffneten der großen Callas aus dem kirchlichen CD-Player wahrlich Konkurrenz machten. Auch der zweite Gottesdienst war ein Erlebnis und es fühlte sich wie ein ganz normaler Gottesdienst an - trotz mancher Einschränkungen. 

Es tut gut, mal wieder in der Kirche zu sitzen, trotz Abstand Gemeinsamkeit und Nähe zu spüren und sich einzulassen auf die Begegnung mit Gott und den Mitfeiernden. Der anfängliche Frust, durch die Pandemie in den liturgischen Möglichkeiten beschnitten zu sein, weicht nun Experimentierfreude und Kreativität. Den sonnigen Wettervoraussagen zufolge können wir uns diesen Sonntag wohl auf „Openair“ einstellen und damit auf den ersten Gesang seit langen Wochen. Daumen drücken! 

Ein Blick in die Medien zeigt zurzeit wieder ein bedauerliches Ansteigen der Infektionszahlen. Von Normalität kann also noch nicht die Rede sein. Es ist weiterhin erforderlich, Vorsicht und Rücksicht walten zu lassen. Und es gilt aus der Krise zu lernen, zu reflektieren über das eigene Tun und das der Anderen, womöglich umzudenken und mitunter auch mal eine Kehrtwende zu wagen.

Und es gilt einen kühlen Kopf zu bewahren. Es ist bekannt, dass Populisten solche Krisen für ihre eigenen Interessen nutzen. Internetanbieter profitieren von der radikalen Art und Brutalität der Beiträge. Je unanständiger die Wortwahl, je abstruser die Inhalte, umso höher steigen die Zugriffszahlen und damit der Gewinn. Die Schamgrenze sinkt ins Unerträgliche und Angst macht sich breit. Es ist eine gefährliche Mischung, der Mix aus fake-news und negativer Berichterstattung. Zusammen mit der Bedrohung durch das Virus mag sie bei manchen eine depressive, ja präapokalyptische Stimmung bewirken. 

Doch unsere Welt ist besser als ihr Ruf, die Menschen liebenswürdiger als vermutet, und es geschehen positive Dinge in unserer Welt, Zuneigung, Zärtlichkeit und Hilfsbereitschaft. Über das Schöne und das Alltägliche berichten die Medien ohnehin nicht - denn es lässt sich kein Geld damit verdienen. Gerne titelt man: „Rentnerin auf dem Weg nach Hause brutal erschlagen“. Doch die Zeilen „Rentnerin fand unbehelligt und unverletzt ihren Weg nach Hause“, wird man vergebens suchen. Betrachten wir unsere Welt allein durch die Brille der Medien, dann laufen wir Gefahr manipuliert zu werden und unser Bild von den Menschen gerät in Schieflage. Also, bleiben wir optimistisch und setzen wir weiterhin Hoffnung in die Menschen und in Gott.

Alles Liebe und Gottes Segen 
Euer / Ihr Pfarrer Dr. André Golob



Hier gehts zum Gottesdienst zum Mitlesen am 28.06.2020 den Pfarrer Dr. André Golob vorbereitet hat.