Gottesdienst am Sonntag den 05.07.2020

„Gegen die Zerstörungskraft des Normalen

Vorwort zum achtzehnten Gottesdienst       

Liebe Schwestern, liebe Brüder, liebe Freundinnen und Freunde, liebe Mitmenschen, 

jetzt ist es tatsächlich schon der achtzehnte Gottesdienst, den wir gemeinsam in dieser Form feiern. Leider ist es immer noch nicht absehbar, wann das Virus, das uns diese missliche Lage beschert, endgültig in die Knie gezwungen ist. Der Blick auf die deutsche Situation mag da optimistisch stimmen, doch die Nachrichten von Millionen Infizierten und vielen Toten weltweit sprechen eine andere Sprache. Geben sich auf Mallorca, an den Stränden Kroatiens und den heimischen Baggerseen die Sonnenanbeter bereits ungeschützt und im Sardinenabstand dem Müßiggang hin, so entwickelt sich in anderen Regionen der Welt die Bedrohung durch das Virus zu einem chronischen Zustand. Zumindest die momentanen Tests hundert potentieller Impfstoffe lassen hoffen. Doch schon jetzt wird darüber spekuliert, auf welche Weise wirtschaftlicher Gewinn aus einem zukünftigen Wirkstoff gezogen werden kann.



Die aktuelle Lage ist in vielerlei Hinsicht eine Anfrage an die Moral und eine ethische Herausforderung für die Zukunft. Wieder einmal mehr zeigt sich, dass gerade Menschen am Rande unserer Gesellschaft besonders gefährdet sind. Wieder einmal erweist sich die Gier und der psychische Marasmus weniger Machthaber als Auslöser vielfachen menschlichen Leids und zahlloser individueller Tragödien werden. Es bleibt zu hoffen, dass der Mensch, wie leider selten in der Geschichte unseres Planeten, endlich aus seinen Fehlern lernt. Sollte das tatsächlich geschehen, würden sich Vernunft und Mitgefühl durchsetzen gegen Profitdenken und Eigennutz, dann hätte dieser Virus bei allem Schmerz und Leid auch ein wenig Sinn gehabt. Aber ist es nicht traurig, dass erst Hunderttausende sterben müssen, bis der Mensch lernt umzudenken? Und zu gern ist der Mensch bereit sich gegen jeglichen Fortschritt, jegliche Neuerung zur Wehr zu setzen und zurückzukehren zur Banalität und Zerstörungskraft des Normalen. Wir als Christ(inn)en wissen das, wie schnell man da bereit ist ans Kreuz zu schlagen, was sich dem Wahnsinn der Normalität in den Weg stellt. Christsein ist ein steter Kampf gegen das Vergessen des Leids und seiner Beweggründe. 


Wenn wir wieder einmal, zwar in Liebe und Respekt verbunden, so doch räumlich von einander getrennt, unseren achtzehnten „Corona-Gottesdienst“ feiern, dann sollten wir nicht nur alle Opfer in den Fokus nehmen, sondern auch jene in unsere Gebete einschließen, die erschütterungsresistent die Augen verschließen vor den Ursachen menschlichen Leids. Gott möge uns alle erleuchten.

Bleiben Sie gelassen!

Alles Liebe und Gottes Segen
und einen wunderschönen Gottesdienst wünscht                        

Euer / Ihr Pfarrer Dr. André Golob


Hier geht zum Gottesdienst zum Mitlesen am 05.06.2020, den Pfarrer Dr. André Golob vorbereitet hat