Gottesdienst am Sonntag den 02.08.2020

„Von der Renaissance der Herzenswärme“
Ein weiteres Wort zur aktuellen Lage             

Liebe Schwestern, liebe Brüder, liebe Freundinnen und Freunde, liebe Mitmenschen,

es macht unendlich traurig (und manchmal sogar wütend), dass die Coronaepidemie kein Ende nimmt - im Gegenteil, die Infektionszahlen nehmen auch in Deutschland wieder zu. Manche Wissenschaftler sprechen bereits jetzt von einer drohenden zweiten Welle. Wo liegen die Gründe? Zum einen sind es wohl die unanständigen Gegebenheiten in Großproduktionbetrieben, der unmenschliche Umgang mit Leiharbeitern und Leiharbeiterinnen aus Osteuropa, zum anderen die dissoziale Unachtsamkeit einiger Urlauber, die gebotene Schutzmaßnahmen einfach ignorieren. Es war in der Menschheitsgeschichte stets eine explosive Mischung: maßlose Gier und grenzenlose Dummheit. Oft sind sie Anzeichen einer verkümmerten Spiritualität. Mitgefühl für den Nächsten, die Verantwortung für die menschliche Solidargemeinschaft sind scheinbar nur noch etwas für Gutmenschen und belächelte Sozialromantiker. Da darf es nicht wundern, dass in den Länder, in denen soziale Tugenden dem politischen und wirtschaftlichen Handeln als lästig oder kontraproduktiv gelten, die Infektionszahlen in die Höhe schießen. Und meist sind es die Ärmsten der Armen, die dem Virus zum Opfer fallen.

Wir Menschen müssen uns fragen, wie wir wieder aus der Oberflächlichkeit zu einer Tiefe der Herzen gelangen. Egomane Verhaltensweisen sind ein Reagenz darauf, dass etwas mit uns in Schieflage geraten ist. Wie Jesus Christus müssen wir uns fragen: Wo liegen die Wurzeln von Egoismus und Machtstreben? Das hat den Mann aus Nazareth unterschieden von seinem Lehrmeister und Verwandten Johannes dem Täufer. Wollte Johannes, wie ein Chirurg, das befallene Fleisch herausschneiden, so interessierten Jesus die Hintergründe der zutage tretenden Symptome. Er setzte an der Wurzel an, fragte nach dem Warum einer Krankheit.

Ich weiß nicht, ob das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Doch sollten wir für die Zukunft umdenken und Therapien ersinnen, wie wir zukünftige Gefahren eindämmen. 

Die Gründe, wieso die Menschheit massiv unter dem Virus leidet und Menschen tagtäglich sterben, sind auf einer wesentlich tieferen Ebene zu lokalisieren. Das wahre Pathogen gründet offensichtlich in einer seelischen Schieflage der Menschheit. Wie finden wir zurück zu unserer Menschlichkeit, zu Herzenswärme und Mitgefühl, zu religiösen Werten? Wie füllen wir das Vakuum an Spiritualität? Ohne Antworten darauf ist das Virus kaum zu stoppen. Nur die Renaissance menschlicher Sensibilität und Empathie verspricht dauerhafte Genesung. Das Virus ist nur das Symptom, der wahre Krankheitsherd liegt in der Kälte unserer Herzen. Da müssen wir ansetzen.

Bleiben Sie gesund und trotz allem optimistisch! Mit Gottes Segen,                        

Ihr Pfarrer Dr. André Golob


Hier gehts zum Gottesdienst zum Mitlesen am 02.08.20 um 10.00 Uhr, den Pfarrer Dr. André Golob vorbereitet hat.