Gottesdienst am Sonntag den 06.09.2020

„Meinungsmache“
Der 27. Kommentar in der Coronazeit  
           

Liebe Schwestern, liebe Brüder, liebe Freundinnen und Freunde, liebe Mitmenschen, 

ich schaute gestern im Ersten die Tagesthemen und war etwas überrascht, dass man den täglichen „Kommentar“ umbenannt hat in „Meinung“. Scheinbar haben sich viele Menschen über Inhalte der Kommentare beschwert, ohne zu wissen, dass ein Kommentar natürlich immer subjektiv ist und sein muss. Gerade das macht ihn aus und gibt einer nüchternen Berichterstattung eine zusätzliche Würze. Jetzt ist es auch dem Letzten klar, dass es sich um eine Meinung handelt und nicht die Position der gesamten Fernsehredaktion widerspiegelt. Auch diese Rubrik, die den Netzwerkgottesdiensten vorausgeht ist ein Kommentar, der durchaus persönlich gefärbt sein darf, den man gutheißen mag oder auch ablehnen kann. 

Es stellt sich jedoch die Frage, ob Berichterstattung auch im öffentlich rechtlichen Fernsehen nicht auch deshalb schon subjektiv ist, da die Auswahl der Themen einseitig erfolgt. Wenn eine ältere Dame durch den Wald spaziert und wohlbehalten zuhause ankommt, ist das den Nachrichten keine Silbe wert. Wenn dieselbe aber auf brutale Art und Weise überfallen und massakriert wird, geht das durch alle Medien. Das Außergewöhnliche, von der Norm Abweichende, Spektakuläre interessiert die Zuschauer(innen), nicht das Alltägliche. Da kann es schon mal passieren, dass der Blick in die Glotze ein düsteres Weltbild hinterlässt und manche die Apokalypse bereis vor der Türe wähnen – das krasse Gegenteil einer frohen Botschaft. „Gewalt und Elend nehmen zu, tödliche Viren bedrohen die Menschheit, alles verschlechtert sich, die Welt steht am Abgrund.“ Das ist die Mutter aller Fakenews und zugleich der Humus für Populismus und Verschwörungsmythologie. 

Wir müssen uns der Gefahr der täglichen Manipulation bewusst sein und dem entgegensteuern, sonst landen wir in der tiefen Depression. Und wir verleugnen die vielen, nachgewiesenen Verbesserungen in allen Bereichen unseres Lebens. Es wird nicht alles schlechter, im Gegenteil, unsere Welt ist besser als ihr Ruf. Ich möchte in diesem Zusammenhang Walter Wüllenweber zitieren: „Es steht nicht gut um die Menschheit – aber besser als je zuvor.“ Menschen lernen aus ihren Erfolgen, aber auch aus ihren Fehlern, das lässt hoffen und ist dann letztendlich doch eine Frohe Botschaft.

In diesem Sinne wünsche ich eine erlebnisreiche, angenehme Woche und jede Menge Sonne im Herzen 

Herzliche und segensreiche Grüße aus dem Pfarrbüro in Rosenheim                                        

Ihr Pfarrer Dr. André Golob 

P.S.: Ich möchte alle Gemeindemitglieder an unsere Gemeindeversammlung am 27. September (11:30) erinnern und dazu noch einmal ganz herzlich einladen.  



Hier gehts zum Gottesdienst zum Mitlesen am Sonntag den 6.09.2020 um 10 Uhr, den Pfarrer Dr. André Golob vorbereitet hat