Gottesdienst am Sonntag den 13.09.2020

"Die Augen öffnen“
Der 28. Kommentar in der Coronazeit
        

Liebe Schwestern, liebe Brüder, liebe Freundinnen und Freunde, liebe Mitmenschen, 

in meinem letzten Kommentar habe ich kritisiert, dass die steten Negativmeldungen in den elektronischen Medien einen Abdruck hinterlassen - eine depressive Grundstimmung beim Einzelnen und der Gesellschaft. Gestern wurde ich eines Besseren belehrt. Aber erst einmal war ich den Tränen nahe, als ich sah, wie ein belarussischer Sicherheitsbeamter mit einem Knüppel auf einen am Boden liegenden, nur noch zuckenden Menschenkörper einprügelte, als wolle er ihn zu Brei zermalmen – gefolgt von weiteren Hiobsbildern. Dann das - eine positive Nachricht: Der ungarische Mediziner Botond Roska hat eine Methode entwickelt, Menschen ihr Augenlicht wiederzugeben. Roska hat mit seiner Forschung über Netzhautreproduktion die Augenheilkunde revolutioniert und erhielt in Hamburg dafür den renommierten Körberkreis für die europäische Wissenschaft.

Mit den Erkenntnissen Professor Roskas wird es bald möglich sein Tausende von Menschen wieder sehend zu machen oder ihre Leiden zumindest zu lindern. Ich musste an eine ältere Dame denken, die ich häufig im Seniorenheim besuche, und die so sehr daran leidet, dass sie fast blind ist. Und ich musste an die Blindenheiligung im Neuen Testament denken. Obwohl es in diesen Szenen weniger um Augenheilkunde geht, sondern um das Erkennen einer Wahrheit, die offensichtlich ist, aber nicht wahrgenommen wird oder nicht gesehen werden soll. Es wäre ein Traum, wenn auch das wahr werden könnte, wenn ein Heilmittel gefunden werden könnte gegen Ignoranz und Herzenskälte. Dann würde sich der feste Griff lösen und der Gummiknüppel würde denen aus der Hand fallen, denen Menschlichkeit und Mitgefühl abhanden gekommen waren. Es wäre der Anfang dessen, von dem wir Christinnen und Christen träumen, es wäre der Anfang von dem, für das Jesus sein Leben gab.

Aber auch Professor Poska brauchte viele Jahre des Forschens und des Scheiterns, bis er Erfolg hatte. Das kann Hoffnung machen, dass auch das Ringen so vieler Menschen um eine liebens- und lebenswerte Welt Früchte trägt. Und ich spüre, dass wir bereits jetzt Erfolge zu verbuchen haben und viel Gutes, über das keine Nachrichtenagentur berichtet, schon jetzt geschieht. Das Heilige ereignet sich unscheinbar, jenseits des großen Rampenlichts. Und wenn Sie nachdenken, erinnern auch Sie sich an solche Lichtmomente in Ihrem Leben. Ziehen Sie Honig aus diesen Erinnerungen. Unsere Welt ist besser als ihr Ruf und unsere Zukunft ist eine blühende. In diesem Sinne       

herzliche und segensreiche Grüße aus dem Pfarrbüro in Rosenheim                                             

Ihr Pfarrer Dr. André Golob 

P.S.: Ich möchte alle Gemeindemitglieder an unsere Gemeindeversammlung am 27. September (11:30) erinnern und dazu noch einmal ganz herzlich einladen.  

     
          
Hier gehts zum Gottesdienst zum Mitlesen am 13.09.2020 um 10.00 Uhr, den Pfarrer Dr. André Golob vorbereitet hat.