Gottesdienst am Sonntag den 27.09.2020

„Von Zahlen und Mehrheiten“
Der 30. Kommentar in der Coronazeit    
         

Liebe Schwestern, liebe Brüder, liebe Freundinnen und Freunde, liebe Mitmenschen, 

trotz anhaltender Pandemie und steigender Infektionszahlen haben wir uns entschlossen an diesem Sonntag eine Gemeindeversammlung einzuberufen. Unsere Allerheiligenkirche ist wohl das größte alt-katholische Sakralgebäude in Bayern und wir haben überdies drei Zugänge, über die Frischluft hereinwehen kann, wie im Idealfall der Heilige Geist. Die Aerosole können sich also nicht stauen und wenn wir die gebotenen Schutzmaßnahmen einhalten, so tendiert die Infektionsgefahr gegen Null. Als Christinnen und Christen sind wir ohnehin um das Wohl unseres Nächsten bedacht und nehmen schon deshalb Rücksicht. 

Eigentlich sollte die Gemeindeversammlung bereits im März stattfinden, ist aber dem Lockdown zum Opfer gefallen. Nun wollen wir das nachholen und umsetzen, um das die Kirchenväter des Alt-Katholizismus gerungen haben - Synodalität. In unserer Konfession werden alle Mitglieder an den Geschicken der Kirche beteiligt. Synodale Prozesse sind uns wichtig und eine pyramidale Verfassung von Kirche eher ein Graus. Doch muss man sich fragen: Was ist das eigentlich Synodalität? Viele würden darauf antworten, dass Synodalität eine Form der Demokratie ist. Das ist sicherlich so falsch nicht, dennoch lässt sich darüber trefflich streiten. 

Dem Religiösen sind Zahlen und Mehrheiten einerlei. Zwei braucht es, um der Gegenwart Gottes gewiss zu sein. Das Schielen auf Statistiken über Kirchgänger und Gottesdienstbesucher ist damit obsolet. Denn es geht einzig und allein um die Frage, ob Gott zugegen ist – darauf kommt es an. 

Wir müssen uns fragen, inwieweit unser Denken von quantitativen Dingen geprägt ist und ob das immer gut ist. 964.844 Coronatote weltweit sind eine erschreckende Zahl, doch man kann über eine solche Statistik hinweg lesen. Bei 80 Milliarden Menschen weltweit, sind die „paar Toten“ keine große Sache. Aber stellen Sie sich den Einzelnen vor in seinem Ringen mit dem Tod und seine Familie und Freunde, deren Leid und Trauer unermesslich ist. Ein Menschenleben endet hier, vielleicht ein Leben voller Erfüllung, sicherlich einzigartig und wertvoll, womöglich berstend voll Liebe und Lebensfreude. Es wäre ein Akt der Menschenverachtung, in ihm allein den Teil einer Statistik zu sehen. Trennen wir uns von einem solchen Diktat der Zahlen und lassen wir uns berühren und erschüttern vom Schicksal des Einzelnen. 

Herzliche und segensreiche Grüße aus dem Pfarrbüro in Rosenheim                                             

Ihr Pfarrer Dr. André Golob 

              
              

Hier gehts zum Gottesdienst zum Mitlesen am Sonntag den 27.09.2020 um 10 Uhr, den Pfarrer Dr. André Golob vorbereitet hat.