Gottesdienst am Sonntag den 11.10.2020

„Pflege und Sorge für die Welt“
Der 32. Kommentar in der Coronazeit  
     
      

Liebe Schwestern, liebe Brüder, liebe Freundinnen und Freunde, liebe Mitmenschen,

zurzeit befinde ich mich am Ringkøbing-Fjord und sende Ihnen ganz herzliche Urlaubsgrüße aus dem schönen Dänemark. Natürlich müssen Sie auch während meines Urlaubs nicht auf die Netzwerkgottesdienste verzichten. Ich habe da mal was vorbereitet und möchte für heute auf einen Gottesdienst zurückgreiffen, der vom damaligen Lockdown vereitelt wurde. Es ist ein Schöpfungsgottesdienst. Gerade vor der Covid-Pandemie war für viele das Thema Klimaschutz und damit die Umwelt ein brennendes Thema. Doch auch die missliche Lage, in der wir uns schon seit einigen  Monaten befinden, resultiert scheinbar aus eben diesem skrupellosen Umgang mit der Natur. Neben Dürren und Hungerkatastrophen, verheerenden Feuersbrünsten und Wirbelstürmen, erleben wir eine weitere Bedrohung durch die Natur – ihr kleinstes Teil. Und wir dürfen uns auch hier fragen, ob wir Menschen nicht auch daran ursächlich beteiligt sind? Muss der Mensch in seiner Gier nach Reichtum und Gewinn natürliche Schutzgrenzen missachten?

Von manchen wird die Natur idealisiert und viele, die sie aus einer solch naiven, romantischen Perspektive betrachten, würden wohl einen Tag im Amazonasdschungel kaum überleben. Allein die Tatsache, dass sich Bärlauch und Maiglöckchen so sehr ähneln, zeigt, dass es uns die Natur nicht leicht macht. Und auch das sympathische Glühwürmchen verliert seine Faszination nimmt man seine brutalen Paarungsgewohnheiten unter die Lupe. Fauna und Flora haben ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten, die wir nicht moralisch bewerten dürfen. Und auch das Corona-Virus ist keine Strafe Gottes oder Plage dunkler Mächte. 

Die Spezies Mensch besitzt als einzige Kreatur die herausragende Fähigkeit, ihr eigenes Dasein unter ethischen Gesichtspunkten zu gestalten. Und durch ihre geistigen Fähigkeiten und die Erkenntnisse moderner Forschung weiß die Menschheit heute um die diffizilen und mannigfaltigen Beziehungen im Biotop Erde. Auch wir Menschen stehen der Natur nicht als Fremdkörper gegenüber sondern nehmen einen ökologischen Platz in ihr ein. Die biblischen Worte, der Mensch solle sich die Erde untertan machen, ist eine bedauerliche Fehlübersetzung. Vielmehr wird im Buch Genesis dem Menschen damit die besondere Pflege und Sorge für die Welt anvertraut. 

Religiöse Mensche sprechen von der sie umgebenden Natur und Umwelt als einer Schöpfung Gottes. Und es ist in der Tat ein erstaunliches Geschenk, das alles bietet, was Menschen zum Leben brauchen, etwas, das uns als Lebensbasis dient und in seiner Fülle und seinem Reichtum imstande ist, wirklich alle satt zu machen. Die Schöpfung zu missachten wäre, als würden wir uns den Ast absägen, auf dem wir und auch unsere Kinder und Kindeskinder sitzen, und es ist ein Affront gegen den Schöpfer selbst. Stattdessen wollen wir den heutigen Gottesdienst nutzen Dank zu sagen, für die Reichhaltigkeit und Vielfalt der Schöpfung.

Herzliche und segensreiche Grüße von der Nordsee                 

Ihr Pfarrer Dr. André Golob

   

Hier gehts zum Gottesdienst zum Mitlesen, am 11.10.2020 um 10.00 Uhr den Pfarrer Dr. André Golob vorbereitet hat.